Eine Woche zwischen Fjord und Meer

Tag 1 – von Brevörde nach Glinde

 

Nachdem beide Autos gepackt und Mensch und Tier sicher verstaut waren, konnte unser Urlaub am Freitag den 07. April mit der Fahrt von Brevörde nach Glinde beginnen. In Glinde, unserem ersten Etappenziel, fanden wir wie schon so oft, Unterkunft bei lieben Menschen, die immer wieder gerne bereit sind, uns bei sich aufzunehmen.


 

Tag 2 – von Glinde nach Argab Strand in Dänemark

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir dann am nächsten Tag zu unserer zweiten Etappe, von Glinde nach Argab in Dänemark aufgebrochen. Bei der letzten Tankpause vor der Grenze in Handewitt hat uns die freundliche Verkäuferin auf der Tankstelle einen „Schleichweg“ verraten, um ohne Stau über die Grenze zu kommen.

Vilkmaer der merkwürdigste Punkt der Grenze

Die Grenze nimmt in Vilkmaer einen seltsamen Verlauf: ein kleiner Zipfel Dänemarks ragt hier nach Deutschland hinein. Dieser Verlauf ist bei der Festlegung der Grenze im Jahr 1920 auf persönlichen Antrag zustande gekommen: denn in Vilkmaer wollte man dänisch sein.

Leider wurde aber die Straße vor dem einen Hof deutsch. Das war ein Problem, denn nun lag die Zollgrenze vor der Tür. Erntete man beispielsweise Korn oder Gemüse auf den in Deutschland liegenden Feldern, durfte man es nicht nach Dänemark einführen. Daher wurde 1927 eine Scheune auf der deutschen Seite gebaut. Hier mussten auch die deutschen Erntehelfer ihr Essen zu sich nehmen, denn über die Grenze ins Haus durften sie nicht. Zeitweise durften sogar die Pferde, die im dänischen Stall standen, nicht auf den deutschen Feldern arbeiten. Besucher des Hofes wurden leider oft sehr scharf kontrolliert, denn das einsam gelegene Vilkmaer war – mangels Schlagbaum – eine gern genutzte Schmuggelroute. (Quelle: Hinweistafel in Vilkmaer)

Von Vilkmaer aus ging es dann weiter quer durch Dänemark bis nach Argab. Argab liegt südlich von Hvide Sande auf der Landzunge Holmsland Klit an der Nordsee. Das Gebiet rund um Argab ist von der einen Seite vom Meer und von der anderen vom Fjord umgeben. Es gibt dort auf der Meerseite viele tolle Dünen, in denen man herrlich spazieren gehen kann.

Unser diesjähriges Domizil

 

Tag 3 – Aufstieg auf den Lyngvig Fyr und Schatzsuche am Strand

 

Der Aufstieg auf den 38 Meter hohen Leuchtturm von Lyngvig, übrigens der höchste in Dänemark, ist bei insgesamt 228 Treppenstufen schon etwas mühsam. Es lohnt sich aber diese Mühe auf sich zu nehmen, da man von oben mit einem tollen Blick über die Nordsee und den Ringkøbing Fjord belohnt wird.


   


Besonders interessant für Familien mit Kindern ist das neueste Angebot der Stadt Hvide Sande – ein spannender Orientierungslauf durch die Stadt, die Dünen und am Strand entlang. In einer detaillierten Karte über die Stadt und die Dünen kann man die Markierungen von 70 Posten sehen. Die Frage ist nun, wie ausdauernd man ist und wie viele man am Ende gefunden hat…

 


 

Tag 4 – Ausflug in die Blåbjerg Plantage – Stadtbummel in Ringkøbing und Sonnenuntergang am Strand

 

Bei unserem Ausflug in die Blåbjerg Plantage, ein Heide- und Waldgebiet zwischen Nymindegab, Nørre Nebel und Henne waren wir zuerst doch ein bisschen enttäuscht. Hatte doch der Reiseführer etwas von Dänemarks höchster Düne erzählt…

…na ja wenn man aus dem Weserbergland kommt, dann kommt einem der 64m hohe Blåbjerg, der Namensgeber der Plantage, doch eher klein vor. Im weitestgehend flachen Dänemark reichten diese 64m aber aus, um den Fischern in Zeiten, in denen es noch kein Radar gab, als wichtiges Seezeichen zu dienen. Der Name Blåbjerg – „blauer Berg“ – kommt übrigens daher, weil der Berg aus weiter Entfernung bläulich schimmern soll.

Wenn man dann tatsächlich den Berg erklommen hat, bietet sich einem ein wunderschöner Blick über die Nordsee und das Umland.  Bei gutem Wetter soll man über 40 Kirchtürme sehen können.

   


Am Nachmittag stand ein Stadtbummel durch Ringkøbing auf dem Programm. Ringkøbing ist eine nette kleine Stadt aus dem 15. Jahrhundert, sie wird oft auch „Westjütlands kleine Hauptstadt genannt“. Die gepflasterten Straßen und die schönen alten Stadt- und Kaufmannshäuser erzählen die Geschichte einer längst vergangenen Zeit. Heute findet man dort kleine Geschäfte und Restaurants. Eines dieser Geschäfte ist „Den lille Ravbutik“, ein Mekka für alle Bernsteinfans, gute Auswahl zu fairen Preisen. Ich empfehle euch dort unbedingt mal rein zu schauen, wenn ihr in der Gegend seid.


Und abends dann noch ein toller Sonnenuntergang am Strand…


 

Tag 5 – Spaziergang am Strand

Tag 5 unserer Dänemark Woche war ein Ruhetag für den Hund. Kein Autofahren, dafür ein langer Spaziergang am Strand. Das Strandgebiet rund um Argab besteht aus feinem Sand mit hohen Dünen. Unser Hund und auch die Jungs lieben es dort durch die Gegend zu toben. Und am Strand muß man keine Angst vor umherfahrenden Autos haben, das ist an dieser Stelle nämlich verboten.

  


 

Tag 6 – es regnet – Kerzen ziehen in Bork Havn – Hvide Sande

 

Kennt ihr das? Ihr habt Urlaub, steht morgens auf und es regnet…

…stellt sich natürlich die Frage, was machen wir bei dem Wetter? Eine beliebte Aktivität ist in solchen Fällen das Kerzenziehen. Und auch wir sind davor nicht sicher. Aber diesmal wollten wir mal etwas anderes ausprobieren und so hat es uns dieses Jahr in die Kerzengiesserei in Bork Havn verschlagen. Gleich wenn man reinkommt, wird man von den deutsch sprechenden Inhabern freundlich begrüßt. Nach einer kurzen Einführung kann man dann auch schon los legen. In einem großen Regal stehen die Gießformen und auf dem langen Tisch der Wachs und das übrige Zubehör. Wenn man sich dann für eine Form entschieden hat, in meinem Fall etwas Abstraktes, dann fängt man an den Wachs in möglichst kleine Stücke zu schneiden und seine Form damit zu füllen. Ist die Form voll, dann wird sie noch mit flüssigem Wachs ausgegossen. Wenn alles getrocknet ist, kann man die fertige Kerze mit nach Hause nehmen. (Lysstøberi Bork Havn © 2011 • Kirkehøjvej 19 • 6893 Hemmet-BorkHavn)

 


Am Nachmittag hatte es dann aufgehört zu regnen und wir entschlossen uns dazu noch mal einen Abstecher nach Hvide Sande zu machen. Wir wollten uns diesmal nicht die Innenstadt sondern die Gegend rund um den Hafen angucken.

 

Unterhalb des Fischereimuseums steht die Skulptur „Der Punkt“, sie stellt mit sieben Schiffssteven rund um den Globus das Leben dar.

Im Museum, dem Fiskeriets Hus – Vestkyst Akvariet, kann man sich über die Geschichte Hvide Sandes und die Auswirkungen der Entwässerungsschleuse auf die Wasserqualität im Ringkøbing Fjord informieren.

In Hvide Sande gibt es viele Fischgeschäfte, die frischen und geräucherten Fisch, sowie Schalentiere verkaufen. Zwei davon haben wir inzwischen getestet und für gut befunden. Das eine liegt ziemlich versteckt im Hafengebiet und heißt „Slusen’s Fiskehal“ () und das andere, der Hvide Sande Røgeri Fiskehandel, befindet sich unterhalb vom Troldbjerg. ( Troldbjergvej 4, 6960 Hvide Sande)

Der Troldbjerg liegt auf der Meerseite nördlich der Entwässerungsschleuse. Über eine Treppe gelangt man auf seine Spitze und hat von dort aus eine tolle Aussicht auf das Meer und den Fjord. Auf der Spitze des Berges befinden sich zwei Bunker aus dem 2. Weltkrieg, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind und es wurden Infotafeln aufgestellt, die über die Stellung berichten.

   


Tag 7 – Bork Vikingehavn – Haurvig Strand

Am vorletzten Tag unseres Urlaubs stand das Freilichtmuseum Bork Vikingehavn auf dem Program. Die beiden Jungs hatten keine Lust und so konnten wir dem Hund auch noch mal einen Ruhetag gönnen. Wir anderen machten uns nach dem Frühstück auf den Weg, bereit in die Welt der Wikinger einzutauchen.

   

Das Museum liegt in Bork Havn – vor mehr als 1000 Jahren war diese Gegend eine offene Bucht an der Nordsee, die es den Wikingern leicht machte, mit ihren Schiffen in die Welt zu segeln. Im Bork Vikingehavn erfährt man viel über den Alltag der Wikinger, über ihre Schiffe, ihre Bräuche und auch über das erste Zusammentreffen mit den Christen.

Nachdem wir mit unserem Rundgang durch das Freilichtmuseum fertig waren, gingen wir noch die paar Meter über den Parkplatz bis zum benachbarten Museum Fahl Kro, wo man sich die Austellung „Vom Schaf bis zum Fürsten“ ansehen kann.

   

Der Fahl Kro stammt aus dem Jahr 1865 und auch heute noch kann man in den gemütlichen alten Gaststuben sitzen und Kaffee trinken oder einen Imbiss zu sich nehmen. Die Ausstellung erzählt viel wissenswertes über die Kleidung der Wikinger und nicht nur Kinder haben dort die Möglichkeit sich als Wikinger zu verkleiden oder sich in ein Wikingergrab zu legen. Da der Eintritt für das kleine Museum in der Karte für den Vikingehavn inbegriffen ist, solltet ihr euch das nicht entgehen lassen.


Vor dem Abendbrot wollten wir dann noch einen langen Spaziergang mit dem Hund machen. Dazu setzen wir uns ins Auto und fuhren das kurze Stück bis zum Strand bei Haurvig. Diese Ecke mögen wir ganz besonders. Der lange, breite Sandstrand liegt dort gut geschützt hinter hohen Dünen. Schon der Weg von der Strasse bis zum Strand ist ein Erlebnis. Zwar ist der Aufstieg auf die hohen Sanddünen teilweise echt anstrengend, aber dafür ist es um so schöner wenn man oben ist und mit dem Blick auf diese einmalige Landschaft belohnt wird. Man kommt sich vor, als ob man in der Wüste wäre…

 

   

…und wenn man Glück hat, dann trifft man sogar mal auf eine Eidechse. Es ist einfach nur schön dort und auch unser Hund genießt es jedesmal wieder wenn er durch den tiefen Sand bis zum Strand laufen darf.


 

Tag 8 – Bagges Daemning – Ostereier färben – Rückfahrt nach Glinde

 

 

Tag 8, wieder ein Freitag und wir wollen zum „Bagges dæmning“ fahren, einem Damm über den Ringkøbing Fjord, den wir im letzten Jahr entdeckt haben. Der ursprüngliche 1,6 km lange Damm stammt aus dem Jahr 1860 und wurde von Halvor Christian Bagge gebaut, um mehr Land für die Landwirtschaft zuschaffen. Leider brach er jedoch nach einem Sturm zusammen. Danach war das Projekt gestorben und die beiden Bruchstellen blieben offen. Erst 2016 griff die Ringkøbing-Skjern Gemeinde das Projekt wieder auf und baute die Brücke, die jetzt die beiden Bruchstellen verbindet. Jetzt hat man dort einen tollen Wander- und Radweg, der einem einmalige Blicke auf den Fjord und seine Natur bietet. Wenn ihr in dieser Ecke Urlaub macht, dann solltet ihr unbedingt einen Abstecher dorthin machen.

 

   


Da wir ja wieder mal direkt an Ostern nach Hause kommen, hatte unsere jüngere Tochter darauf bestanden, dieses Jahr noch in Dänemark die Eier zu färben und einen Osterkorb aus Hefeteig zu backen. Hört sich übrigens einfacher an, als es ist, vor allem wenn man in einem Ferienhaus ist und nicht in seiner eigenen Küche. Da muss man schon ein bisschen improviesieren…


Abends, als wir dann alles so weit erledigt hatten, fassten wir dann wie schon öfter mal den spontanen Entschluss, doch heute noch nach Glinde zu fahren und so dem Rückreiseverkehr am nächsten Tag zu entgehen. Also wurde noch schnell das Haus geputzt, die Autos gepackt, unsere lieben „Asylgeber“ über diesen Entschluss informiert und los ging es Richtung Deutschland. Kurz hinter der Grenze, in Handewitt bekam Nilak ganz fürchterlichen Hunger und so machten wir einen kurzen Stopp, um etwas zu Essen zu holen. Dann ging es weiter nach Glinde, wo wir schon sehnsüchtig erwartet wurden…

 


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